Das all4track Trackday 1×1

Dieses Trackday 1 x 1 soll Dir als Leitfaden für die gängigsten Begriffe der Trackdayszene dienen, sowie einen Einblick in die Spielregeln eines klassischen, deutschen Trackdays geben. Bitte beachte, dass jeder Veranstalter und Streckenbetreiber eigene Regeln für seinen Trackday definiert, deswegen ist es unerlässlich, vor jeder Trackdayteilnahme an der für alle Teilnehmer verpflichtenden Fahrerbesprechung teilzunehmen! Und ganz wichtig, stell Fragen an den Veranstalter, wenn Dir etwas unklar ist!

Die verschiedenen Veranstaltungsformate im Detail

Trackday

Unter einem Trackday versteht man eine organisierte Sportfahrerveranstaltung auf einer abgesperrten Rennstrecke. Alternativ können diese Veranstaltungen auch auf „stillgelegten Flugplätzen“ stattfinden. Diese Veranstaltungen sind keine Rennveranstaltungen / Renntrainings und dienen nicht zur Erzielung von Höchstgeschwindigkeit, sondern sind als reines Fahrsicherheitstraining ausgeschrieben. Es erfolgt in der Regel keine offizielle Zeitnahme. Bei einigen Veranstaltungen ist dies jedoch mit Hilfe der Transponder möglich, der bei manchen Rennstrecken unter anderem zur Messung des Lärmpegels/Fahrzeug Pflicht ist.

Der klassische Trackday zeichnet sich dadurch aus, dass die Teilnehmer entweder in Gruppen eingeteilt (z.B. Straßen- & Rennfahrzeuge) oder gemeinsam „open pitlane“ auf der Strecke frei fahren können. Falls vom Veranstalter nicht explizit darauf hingewiesen wird, ist hier jegliches Fahrzeug, welches sich im straßenverkehrstauglichen Zustand befindet, zulässig. Erfahrungsgemäß eigenen sich aber erst Fahrzeuge mit einem Leistungsgewicht von < 6,5 KG/PS für einen Trackday.

Sportfahrertraining

Dieses Veranstaltungsformat ähnelt dem Trackday vom Grundsatz der Ausrichtung und der Teilnehmerstruktur, hat aber den Unterschied, dass dieses Veranstaltungsformat sehr häufig an „Geführtes Fahren hinter einem Instruktor“ gekoppelt ist. Dies bedeutet, dass alle Teilnehmer in Gruppen aufgeteilt sind und einem Führungsfahrzeug „folgen“, welches von einem Instruktor gefahren wird. Häufig sind der Instruktor und die Teilnehmer per Funk miteinander verbunden, sodass der Instruktor die Kunden zum Befahren der Ideallinie direkt per Funk instruieren kann. Diese sogenannten Sportfahrertrainings finden sehr häufig auf sehr komplexen und schwer zu erlernenden Rennstrecken wie z.B. der Nürburgring Nordschleife statt.

Drifttraining

Das Drifttraining hat sich der Kontrolle des „instabilen Fahrzustands“ verschrieben. Dieses sehr spezielle Veranstaltungsformat dient dazu, die absolute Fahrzeugkontrolle im Grenzbereich zu erlenen. Häufig werden diese Trainings als Car-Control-Trainings bezeichnet, da es hier vorrangig darum geht, ein durch z.B. einen Lastwechsel instabil gewordenes Fahrzeug zu kontrollieren und diesen zuerst instabilen Zustand wieder kontrollierbar zu machen. Diese Veranstaltungen finden sehr häufig in Fahrsicherheitszentren oder  auf abgesperrten, stillgelegten Flugplätzen statt. In der Regel werden diese Areale außerdem künstlich bewässert, um den Verschleiß des Materials (Reifen & Antriebstechnik) nicht zu stark zu strapazieren.

Für wen eigenen sich diese Formate?

Grundsätzlich für jeden, losgelöst vom Geschlecht und Alter, der im Besitz eines gültigen Führerscheins ist und das Mindestalter von 18 Jahre hat. Je nach Veranstalter mag es im Einzelfall Ausnahmen geben (z.B. Girls only Trackdays oder Nachwuchsfahrersichtungen für sehr junge Teilnehmer).

Allgemeine Begrifflichkeiten

Akkreditierung

Unter der Akkreditierung versteht man die „Papierabnahme und Einschreibung“ im Rahmen eines Trackdays/einer Veranstaltung. Alle Teilnehmer, der Fahrer sowie gegebenenfalls die Beifahrer, müssen vor dem Befahren der Rennstrecke akkreditiert werden. Hierbei ist es üblich, dass alle Teilnehmer einen Haftungsverzicht unterzeichnen müssen und alle, für die Veranstaltung relevanten, Unterlagen und Dokumente erhalten. Diese sind unter anderem die Startnummern, Transponder/Transponderhalter, Teilnehmer-Armband, Gruppenaufkleber etc.

Haftungsverzicht

Bei allen professionellen Veranstaltern ist es obligatorisch, dass alle Teilnehmer vor dem Beginn der Veranstaltung bzw. vor dem Befahren der Strecke, gegenüber dem Veranstalter, Rennstreckenbetreiber und auch den anderen Teilnehmern einen Haftungsverzicht unterzeichnen. Mit diesem Haftungsverzicht wird in der Regel der Veranstalter, sowie seine Mitarbeiter und auch die Rennstrecke von Haftungsansprüchen der Teilnehmer im Schadensfall freigestellt. Eine Ausnahme stellt hier vorsätzliches, grob fahrlässiges Verhalten der Veranstalter dar. Je nach Veranstaltungsformat und Veranstalter, kann aber auch die Haftung im Schadensfall unter den Teilnehmern ausgeschlossen werden. Auch ist es nicht unüblich, dass vom Veranstalter und der Rennstrecke zwei unterschiedliche Haftungsverzichte zu unterzeichnen sind.

GANZ WICHTIG -> Lies Dir bei jedem Veranstalter vor Beginn der Veranstaltung den Haftungsverzicht aufmerksam und gründlich durch und stelle Fragen, wenn etwas unklar ist. Im Nachgang ist es meist zu spät – also erst lesen, dann unterzeichnen!

Fahrerbesprechung/Driversbriefing

Neben der Akkreditierung stellt die Fahrerbesprechung einen weiteren Pflichtteil einer jeden professionellen Veranstaltung dar. Hierbei werden alle Teilnehmer vor dem Befahren der Strecke zusammengerufen, um für den Tag alle relevanten Informationen, vor allem rund um das Thema Streckensicherheit zu erhalten. Der Veranstalter erläutert in der Fahrerbesprechung in der Regel das Thema Gruppeneinteilung, Verhalten bei Überholmanövern, fairer und sicherer Umgang auf und neben der Strecke unter den Teilnehmern, Verhalten bei Unfällen sowie die allgemein gültigen Flaggen- und Ampelsignale.

WICHTIG -> Nimm immer an der Fahrerbesprechung teil – sie ist Pflichtbestandteil einer Fahrveranstaltung. Hier erhältst Du alle wichtigen Informationen für den Tag auf der Strecke. Wenn noch Fragen offen sind, ist hier der richtige Ort dafür.

 „open pitlane“ vs. Fahren in Gruppen

Unter dem Begriff „open pitlane“ versteht man das freie Fahren im Rahmen eines Trackdays. Es bedeutet, dass es hierbei keine Gruppeneinteilung gibt, sondern jeder Teilnehmer im Rahmen des gültigen Zeitplans, nach Belieben auf der Strecke seine Runden drehen kann. Das Gegenstück zu „open pitlane“ ist das Fahren in Gruppen.  Maßgeblich für die Einteilung in Gruppen kann z.B. die Trennung von Fahrzeugen mit Straßenzulassung und Rennfahrzeugen sein. Aber auch die Einteilung in Neulinge und Fortgeschrittene Teilnehmer ist möglich. Hierzu bitte immer beim jeweiligen Veranstalter die Grundlage für die Gruppeneinteilung hinterfragen.

Transponder

Es gibt Rennstrecken und Veranstalter, bei denen ist die Montage eines Transponders am/im Auto Pflicht. Diese dienen in Deutschland in der Regel nicht der Zeitmessung, sondern sind sogenannte Lärmtransponder. Da alle Strecken in Deutschland/Europa über das Streckenabnahmeprotokoll nur einen maximalen Lärmpegel pro Fahrzeug haben dürfen (z.B. 95dB), werden Transponder am Fahrzeug befestigt, damit nachvollzogen werden kann, welches Fahrzeug an der Lärmmessstelle vorbeigefahren ist und eventuell zu laut war. Die Transponder sind meist kleine, Zigarettenschachtelgroße, rote Boxen. Der Veranstalter wird im Zuge der Akkreditierung auf eine entsprechende Transponderpflicht hinweisen und diesen, häufig gegen Pfand und/oder Ausweishinterlegung, für den Veranstaltungstag ausleihen. Du brauchst also keinen eigenen Transponder.

Überholen auf Rennstrecken

Zum richtigen Verhalten bei Überholmanövern wirst Du im Zuge der Fahrerbesprechung bei jedem Veranstalter individuell informiert. Folgende Verhaltensweise ist aber, zumindest im deutschsprachigen Raum, üblich:

Überholen ist eine „Holschuld“ – dies bedeutet, dass derjenige, der überholen will, schauen muss, dass er dies sicher und ohne Gefährdung absolvieren kann. Das bedingt allerdings auch ein schlüssiges und sinnvolles Handeln des zu Überholenden. Dieser setzt im besten Fall den Blinker auf die Seite, auf der er bleibt. Das heißt, Blinker nach links, ich bleibe am linken Streckenrand – Blinker nach rechts, ich bleibe am rechten Streckenrand. Missverständnisse bei Überholvorgängen sind die häufigste Ursache für Kollisionen auf Rennstrecken. Deswegen keine Überholmanöver in der Kurve und keine plötzlichen Richtungs-/Seitenwechsel. Schlüssiges Handeln ist das A und O für sichere Überholmanöver. Nur wenn der zu Überholende schlüssig handelt, kann der Überholende mich sich richtig verhalten. Wichtig, nehmt immer Rücksicht aufeinander – keine Beule oder Kratzer ist es wert, sich noch schnell dran vorbei zu zwängen!

Muss ich einen Sportwagen fahren um teilnehmen zu dürfen?

Nein musst Du nicht – ABER bereite Dein Fahrzeug vor dem Befahren einer Rennstrecke entsprechend vor. Das bedeutet, achte darauf, dass Dein Fahrzeug, welches ein Leistungsgewicht von unter 6,5 KG/PS haben sollte, entsprechend verkehrssicher ist. Reifen und Bremsen, sowie Antriebseinheit sollten gut gewartet und in gutem Zustand sein. Ein Betriebsmittelverlust von Öl oder Kühlwasser kann zum Beispiel katastrophale Folgen haben und das nicht nur für Dich, sondern auch für die anderen Teilnehmer. Deswegen gilt „safty first“ auch bei der Vorbereitung des Fahrzeugs. Je nach Veranstaltungsformat und Veranstalter brauchst Du kein Fahrzeug mit Rennsitzen, Überrollkäfig etc. aber bei allen Veranstaltungen brauchst Du ein Fahrzeug, das über gute Bremsen und ein ausreichendes Restprofil der Reifen verfügt.

Was muss ich bei meinen Reifen beachten?

Der Reifen ist das Bindeglied zwischen Auto und Straße und somit maßgeblich für die Performance deines Fahrzeugs auf der Strecke. Um das Ganze nicht zu detailliert zu machen, an dieser Stelle nur der Hinweis, dass der Reifen auf Grund der höheren Beanspruchung auf der Rennstrecke, viel höhere Temperaturen und somit einen viel höheren Luftdruck bekommt, als es im normalen Straßenverkehr der Fall wäre. Hierbei ist es also ratsam, den Luftdruck entsprechend anzupassen. Details dazu erhältst Du bei Deinem Reifenhersteller bzw. häufig kann der Veranstalter dir mit Erfahrungswerten weiterhelfen. Wichtig ist, dass Du nach Verlassen der Rennstrecke den Luftdruck für die Fahrt im Straßenverkehr wieder entsprechend anpasst.

Sicherheitshinweise

Befahre die Rennstrecken – egal bei welchem Veranstaltungsformat – nur mit Helm. Schnall dich an. Stell die Spiegel passend ein. Beide Hände gehören während der Fahrt ans Lenkrad. Das Handy ist grundsätzlich auch auf der Rennstrecke am Steuer verboten und auch auf der Rennstrecke gilt –> Lichtfahrer sind sichtbarer.

Plane Dir Deine Zeit sinnvoll ein und mache keine zu langen Stints (Fahrslots). Gönne Dir und Deinem Fahrzeug regelmäßige Pausen und nutze diese für eine Sichtprüfung Deines Fahrzeugs. Vor allem die Bremse und die Reifen gehören regelmäßig überprüft. Lenke dazu jeweils nach links und nach rechts bis zum Anschlag ein, damit Du die Innenkante/Innenseite Deiner Reifen begutachten kannst. Auch ein regelmäßiger Blick auf die Tanknadel ist ratsam, denn der Kraftstoffverbrauch ist häufig wesentlich höher als gewohnt. Was auf die Maschine zutrifft, trifft auch häufig auf den Fahrer zu. Trinke viel und regelmäßig, Deine Konzentration und Dein Körper werden es Dir danken.

Halten Dir permanent vor Augen, dass die thermische und materielle Belastung Deines Fahrzeugs beim Befahren von Rennstrecken um ein Vielfaches höher ist, als es bei „klassischen“ Fahrten auf Landstraßen und Autobahnen der Fall ist.

Achte auch darauf, dass Du nur das Nötigste im Fahrzeug mitführst. Räume den Kofferraum leer, Dachbox und Fahrradträger oder Ähnliches gehören demontiert.

Am besten klärst Du auch im Vorfeld bei Deiner Versicherung ab, in wie weit Du über einen Haftpflicht- und Kaskoversicherungsschutz beim Befahren von Rennstrecken verfügst. Eine zu späte Erkenntnis kann sehr teuer werden.

 

Flaggenkunde

Die Gelbe Flagge einzeln geschwenkt

–> Achtung Gefahrenstelle, Tempo deutlich verringern, bremsbereit sein, Überholverbot

Die Gelbe Flagge doppelt geschwenkt

–> Achtung Gefahrenstelle, blockierte Strecke, möglicherweise Personen auf der Fahrbahn, Tempo max. 120km/h, bremsbereit sein bis Stillstand, Überholverbot,

Die gelbe Flagge wird NUR durch die grüne Flagge aufgehoben.

Die Grüne Flagge

–> die Strecke ist freigegeben, kein Überholverbot mehr, kein Tempolimit mehr (außer dies wird separat angezeigt)

Die Blaue Flagge

–> schnellerer Teilnehmer von hinten, möglicher Überholvorgang

Die Rote Flagge

–> „Renn- / Trainingsabbruch“ – auf direktem Weg, mit erhöhter Aufmerksamkeit und maximal 80 km/h zurück in die Boxengasse fahren, Überholverbot

Die Gelb-Rote Flagge

–> Hinweis auf eine veränderte Fahrbahnoberfläche z.B. durch Öl, häufig auch mit Finger in den Himmel gestreckt verwendet, dies bedeutet ,dass im folgenden Streckenabschnitt Regen eingesetzt hat

Die Weiße Flagge

–> Hinweis auf ein langsames Fahrzeug auf der Strecke z.B. Rettungsstaffel

Die Schwarz/Weiß karierte Flagge

–> wird bei Überfahrt der Start-/Ziellinie geschwenkt, Ende des Rennens / Trainings bzw. Gruppenwechsel. Auslaufrunde nach Passieren der schwarz-weißen Flagge endet in der Boxengasse/Park-Ferme (bei Rennveranstaltungen)

 

Abschließend noch die Bitte, fahre immer im Rahmen Deiner persönlichen Fähigkeiten. Lasse Dich nicht von anderen zu „Rennen“ verleiten und fahre immer nur ein Tempo, welches sich für Dich gut kontrollierbar anfühlt. Folge nicht der Erkenntnis -> Helm an, Hirn aus, sondern zeige, dass es anders geht. So wird Dein Rennstreckenbesuch ein tolles Erlebnis, ohne negativen Beigeschmack.

Solltest Du hierbei Unterstützung benötigen, raten wir Dir auch immer, einen professionellen Sportfahrercoach zu buchen. Dieser steht Dir während des gesamten Ablaufs mit Rat und Tat zur Seite und hilft Dir, das Optimum aus jedem Rennstreckenbesuch heraus zuholen.